Droht Infantino eine 2-Jahres-Sperre? So gefährlich ist die Balogun-Affäre für den FIFA-CHEF

Gianni Infantino (links) und USA-Stürmer Folarin Balogun bei der Fußball-WM 2026 (rechts)
Grafik: Torschuss / Fotos: Doha Stadium Plus Qatar (CC BY 2.0), Bryan Berlin (WikiPortraits) via Wikimedia Commons

Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness will Infantino wegen der Balogun-Affäre zur Rechenschaft ziehen, dabei ist das schon ihr zweiter Vorstoß gegen den FIFA-Chef in dieser Sache, und die eigentliche Beschwerde ist noch gar nicht offiziell eingereicht.

DIE FAKTEN

Folarin Balogun sah im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0-Sieg der USA) die Rote Karte. Die daraus resultierende Sperre für das Achtelfinale gegen Belgien wurde von der FIFA-Disziplinarkommission für zwölf Monate zur Bewährung ausgesetzt, nachdem laut Guardian-Recherchen Donald Trump dreimal persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen hatte. Balogun spielte gegen Belgien durch, die USA verloren 1:4.

Wichtige Korrektur zum Zeitplan, die viele Artikel verkürzen: Klaveness hat noch keine Beschwerde eingereicht. Sie will das Thema erst bei einer Vorstandssitzung am 6. August mit ihrem Verbandsvorstand absegnen lassen.

Ihr Zitat gegenüber der „Times“:

„When you bend a rule like this, you’re on a slippery slope that will put the whole game at risk.“

TORSCHUSS ORDNET EIN

Der Teil, der in der aktuellen Berichterstattung fehlt: Das ist nicht Klaveness‘ erster Vorstoß gegen Infantino in dieser Sache. Sie will den Balogun-Fall in eine bereits laufende Ethikbeschwerde integrieren – jene, die Norwegen als einziger von 211 FIFA-Mitgliedsverbänden unterstützt hatte, nachdem die NGO FairSquare Infantino wegen des umstrittenen „Friedenspreises“ für Trump anzeigte. Das macht aus der aktuellen Meldung weniger eine Eilmeldung, sondern Kapitel zwei einer länger laufenden Konfrontation.

Warum Klaveness glaubwürdig ist: Die 45-jährige Juristin und Ex-Nationalspielerin ist seit 2022 als Reformerin bekannt. Sie kritisierte bereits die WM-Vergabe an Katar wegen der Arbeitsbedingungen und äußert sich regelmäßig kritisch zur WM 2034 in Saudi-Arabien.

Wichtig für die Einordnung: Sie betonte selbst, nicht als Gegenkandidatin zu Infantino bei dessen Wiederwahl 2027 anzutreten, das nimmt ihr den Vorwurf persönlicher Motive.

Was der Beschwerde realistisch droht: FIFA-Ethikregeln sehen bei Verstößen gegen die politische Neutralitätspflicht theoretisch eine bis zu zweijährige Sperre vor. Praktisch gilt Infantinos Wiederwahl 2027 aber als so gut wie sicher – die Beschwerde dürfte also eher Symbolwirkung haben als echte Konsequenzen.

Der Kontext, der die Sache größer macht: Parallel dazu läuft bereits eine gesonderte Beschwerde beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gegen Infantino wegen seiner Trump-Nähe. Und erst kürzlich sorgte Infantino für Ärger, als er wegen eines Trips mit Trump in den Nahen Osten zu spät zum FIFA-Kongress in Paraguay erschien – UEFA-Chef Aleksander Ceferin und Teile der europäischen Delegation verließen daraufhin demonstrativ den Saal.

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